Schwarz auf Weiß: Alltags-Rassismus in Leserbriefen

von Stefan

Eigentlich wäre ich nicht auf den Gedanken gekommen, noch etwas zu der angekündigten Überarbeitung einiger Kinderbuchklassiker zu schreiben. Zur Erinnerung: Im Dezember vergangenen Jahres hatte Familienministerin Kristina Schröder die Debatte ins Rollen gebracht, als sie in einem Interview erklärte, dass sie, wenn sie ihrer Tochter aus „Pippi Langstrumpf“ vorlese, das Wort Negerkönig durch Südseekönig ersetze. Wenig später kündigte der Thinemann-Verlag an, rassistische Sprache aus Otfried Preußlers „Kleiner Hexe“ zu tilgen. Die erwartbaren Reaktionen kamen, auch die Gegenreaktionen blieben nicht aus, und so dachte ich, dass alles Wichtige zur Debatte schon gesagt sei, etwa hier (man beachte auch die Links in der Fußnote), hier und hier. Als ich gestern jedoch in der Regionalausgabe der Regionalzeitung „Rheinpfalz“ die Leserbriefseite las, war ich doch etwas überrascht, was mir da nicht nur an Scheinargumenten und schierer Dummheit, sondern auch an unverhohlenem Rassismus entgegenschlug. Elf Leserbriefe, allesamt Reaktionen auf ein Interview mit Mekonnen Mesghena von der Heinrich-Böll-Stiftung, zeigen sich ausnahmslos entweder entsetzt und empört über die angeblichen „Zensur“-Maßnahmen oder machen sich darüber lächerlich. Dabei denke ich, dass die Reaktionen des (sicherlich teilweise etwas provinziell geprägten) Leserkreises dieser Zeitung durchaus repräsentativ sind für die öffentliche Meinung zu dieser Debatte. Im Folgenden will ich daher die wichtigsten (und teilweise auch: erschreckendsten) Argumentationslinien kurz aufdröseln, zunächst aber ganz knapp meine eigene Position zur Debatte darlegen.

Überarbeitung? Zensur?

Zunächst einmal muss ich bekennen, dass bei dieser Debatte eigentlich zwei Herzen in meiner Brust schlagen. Viele der empörten Reaktionen – und auch diejenigen, die ich am ehesten verstehen kann – rühren ja daher, dass man heutzutage dazu neigt, Texte als etwas mehr oder minder Sakrosanktes zu betrachten: Jeder Eingriff verbietet sich mithin von selbst. Im Regelfall bin ich daher auch gegen editorische Eingriffe jedweder Art – Bücher will ich so lesen, wie sie vom Autor intendiert waren, genauso wie ich für Filme schon dann kein Geld ausgeben will, wenn auch nur einzelne Frames gegen den Willen des Regisseurs entfernt wurden. Gleichzeitig verstehe ich natürlich vollkommen, dass gerechte Sprache nicht nur im Alltag etabliert werden soll, sondern man z.B. als Verlag eben auch die Verantwortung hat, gewisse Dinge nicht unkommentiert stehen zu lassen. Für Kinderbücher gilt das natürlich in besonderem Maße. So gibt es im Grunde nur drei Möglichkeiten: Entweder man versieht die entsprechenden Stellen mit Anmerkungen oder Fußnoten, was bei Büchern für Erwachsene sicherlich nicht die schlechteste Lösung darstellt, bei Kinderbüchern aber den Nachteil mit sich bringt, dass es vielleicht die Aufmerksamkeit gerade auf die „verbotenen“ und damit faszinierenden Wörter lenkt und damit einer Erziehung zu gerechter Sprache wenig Vorschub leistet; oder, die zweite Möglichkeit, man verbannt die Bücher ganz aus dem Verlagsprogramm, was angesichts der Reputation der Klassiker, ob berechtigt oder nicht, keine realistische Option ist; oder eben man nimmt Änderungen vor, wie sie der Thinemann-Verlag bei Preußler (übrigens mit dessen Zustimmung) plant und macht diese Änderungen idelerweise noch irgendwo, z.B. in einem Anhang, transparent.

Es dürfte deutlich geworden sein, dass der Eingriff die einzige wirklich sinnvolle Option darstellt – wobei ich mich an dieser Stelle nicht über Sinn und Unsinn gerechter Sprache auslasse, da den meisten, die das hier lesen, klar sein dürfte, dass es dabei um weit mehr geht als um naives Gutmenschentum (wobei es, nebenbei bemerkt, ohnehin recht vielsagend ist, dass der Begriff Gutmensch im Deutschen als Schimpfwort verwendet wird – aber zur vielgeschmähten political correctness später noch mehr). Statt dessen gehe ich in medias res und stelle mit einigen Zitaten aus besagten Leserbriefen die wichtigsten Scheinargumente vor, die – und das ist wichtig – zum größten Teil weit über die konkrete Diskussion hinausgehen: In den meisten Leserbriefen geht es nämlich gar nicht um die Frage, ob der Eingriff in literarische Texte legitim ist. Vielmehr sehen sich die meisten Leserbrief-Schreiber/innen offenbar in ihrem eigenen Sprachgebrauch bevormundet.

1. Neger ist kein Schimpfwort

Gleich im ersten Leserbrief heißt es:

Bei aller Ehrfurcht, die ich vor Migranten habe, lasse ich mir als Muttersprachlerin nicht einreden, ich sei Rassistin, weil ich das Wort „Neger“ benutze. Ich habe als Kind gelernt, das Schimpfwort sei „Nigger“ (z.B. durch Tom Sawyer). Und Neger war einfach das Wort, das wir gebrauchten, wenn wir aussagen wollten, dass jemand eine schwarze Hautfarbe hatte.

Erstmal schlucken, das nach unten geklappte Kinn wieder in Position bringen und die weit aufgerissenen Augen auf Normalgröße verengen. Die Dame, die dies schreibt (und die sich im Laufe des Textes auch als „in ganz kleinem Rahmen (…) betroffene Autorin“ outet), übersieht so viel, dass ich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll. Das Wichtigste zuerst: Die Behauptung, Neger sei kein Schimpfwort, ist schlicht und einfach falsch. Sich selbst, weil man ja Muttersprachlerin ist, als Maßstab und Norm heranzuziehen, ist ein Fehler, den auch viele Sprachwissenschaftler/innen gern machen, was den Fehler aber nicht weniger gravierend macht. Ich selbst bin auch Muttersprachler und lasse mir als solcher nicht einreden, dass Neger ausschließlich beschreibenden Charakter hat. Wer hat nun Recht? Steht nun Aussage gegen Aussage? Oder können wir als nicht Betroffene (ich nehme mal stark an, dass die Leserbrief-Autorin genauso weiß ist wie ich und genauso wenig wie ich im bisherigen Leben mit Rassismus zu kämpfen hatte) das vielleicht gar nicht beurteilen? Triviale Erkenntnis der Kommunikationsforschung: Es kommt nicht nur darauf an, wie man etwas meint, sondern eben auch darauf, wie es beim Rezipienten ankommt. Und über das Interview, auf das sich der Leserbrief bezieht, hinaus muss man nicht lange suchen, um zu erkennen, dass Neger nun einmal gar nicht gut ankommt.

Ein weiterer Fehler: Nur weil sie etwas als Kind gelernt hat, muss es ja nicht heute noch richtig sein. Es gibt viele Debatten darüber, ob Neger einmal wertneutral war (ich selbst habe das mal in einem Aufsatz über Tabuwörter behauptet, bin heute aber sehr skeptisch diesbezüglich) und ob Preußler es eben auch rein beschreibend verwendete; das ändert aber nichts daran, dass Neger heute – und darum geht es – „im öffentlichen Sprachgebrauch als diskriminierend [gilt]“ (Zweifelsfälle-Duden, S. 647). (Anm.: Ich habe keine Ahnung, warum der Duden an dieser Stelle den Zusatz „im öffentlichen Sprachgebrauch“ für nötig hielt.)

Zu alledem macht sie auch noch den Fehler, zwei Sprachen durcheinanderzuwirbeln. Nigger ist natürlich das entsprechende Schimpfwort im Englischen, während negro – laut OED (Paywall, aber über viele Uni-Netzwerke zugänglich) – lange Zeit der entsprechende rein deskriptive Begriff gewesen ist, mittlerweile aber längst selbst als diskriminierend gilt. Es spielt nun keine Rolle, ob Nigger auch im deutschen Sprachgebrauch verwendet wird oder einmal verwendet worden ist (im „Tom Sawyer“ spielt natürlich der entsprechende kulturelle Hintergrund eine entscheidende Rolle) – im heutigen Deutschen nehmen sich Neger und Nigger nicht viel, was ihr diskriminierendes Potential angeht.

In noch krasserer Form findet sich das Argument übrigens in einem anderen Leserbrief, der es wert ist, in Gänze zitiert zu werden und in all seiner vorvorgestrigen Merkbefreitheit für sich zu stehen:

Nach mehr als sechs Jahrzehnten sollte das kulturelle Umerziehungsprogramm, dem das deutsche Volk als Kriegsfolge unterzogen wurde, ausgelaufen sein und wir sollten den Mut wiederfinden, Begriffe klar zu benennen, ohne alle denkbaren Empfindlichkeiten zu antizipieren. Wenn ich Herrn Mesghena als Neger bezeichne, ist dies eine Tatsachenfestellung auf Grundlage der optischen Wahrnehmung seiner intensiven Hautpigmentierung. Empfindet er dies als Beleidigung, so verrät er uns, dass er mit seiner Identität nicht im Reinen ist.

Nur auf den letzten Satz will ich noch kurz eingehen. Natürlich ist das Schwachsinn. Wenn ein körperlich Behinderter als Krüppel bezeichnet wird, fühlt er sich nicht deshalb beleidigt, weil er mit seiner Identität nicht im Reinen ist, sondern weil das Wort nun einmal eine Beleidigung ist. Die emotionale Valenz eines Wortes hat dabei überhaupt nichts mit seiner Etymologie zu tun, sodass man sich nicht darauf berufen kann, dass Neger „eigentlich“ ja nichts anderes bedeute als Schwarzer, genauso wie Krüppel eigentlich einfach nur ‚Verkrümmter‘ bedeutet.

2. Das „Schlaraffenland“-Argument

Mehrfach wird in den Leserbriefen auch darauf hingewiesen, Herr Mesghena solle doch froh sein, dass er im „Schlaraffenland“ Deutschland leben dürfe:

Gut für den Herrn Mesghena, wenn er keine größeren Sorgen hat!

Es ist schon erstaunlich, welch dummen Texte die RaS abdruckt. Hat hier jemand in unserem Schlaraffenland keine anderen Sorgen, in einem Land, in dem die Vergangenheitsbewältigung wie nirgendwo klappte. Man kann sich solche Sorgen auch in seinem Herkunftsland machen, denn ich unterstelle, dass trotz deutscher Staatsangehörigkeit derjenige noch nicht hier angekommen ist.

Da ist es wieder, das Identitäts-Argument – was soll man bitte aus solchen Argumenten ableiten? Dass man, wenn man in Deutschland leben möchte, alles Deutsche gut finden muss? Eine deutsche „Identität“ annehmen muss? Dass man, wenn man in unserem „Schlaraffenland“ leben will – wo ja bekanntlich die Euros auf Bäumen wachsen, Leiharbeit und gar Arbeitslosigkeit Fremdwörter sind und es keinen einzigen Menschen gibt, der von seinem Vollzeitgehalt nicht leben kann -, dass man zum Dank für dieses außerordentliche Privileg doch bitte die Klappe halten und Rassismus, Vorurteile, Intoleranz und Ignoranz schweigend und duldsam hinnehmen soll?

3. Das Dammbruch-Argument

„Wo soll das hinführen?“ Dieses Argument liegt natürlich nahe, und es wird sowohl in den ernsteren als auch in den eher satirisch gemeinten Leserbriefen weidlich ausgeschlachtet.

Was geschieht eigentlich mit dem Mohr im Struwwelpeter?

Wo soll das enden, wenn wir anfangen, unsere gesamte Literatur (…) zu durchforsten, damit die Kinder, auch unsere deutschen Kinder, die mit dem Rassenwahnsinn des Dritten Reiches überhaupt nichts zu tun haben, im Gegenteil, auch heute noch darunter zu leiden haben, nicht in ihrem Werdegang und ihrer Ausbildung zu korrekten Staatsbürgern über die Wörter Mohr oder Neger stolpern?

Karl May hätte sich ja auch besser einer politisch korrekten Beschreibung in Sachen Indianer bedient. Grimms Märchen musste ich auch entsorgen, denkt man nur an die dauernde Diskriminierung alter Frauen – das sind ja nur Hexen – wenn die Grimms doch wenigsten (sic!) ‚ältere Damen mit Falten‘ geschrieben hätten. (…) Aber was mache ich mit der Bibel? Es gibt Leute, die sagen, dort stände Negatives über die Vorfahren der Juden? Bin ich Antisemit? Weg damit?

Um mal mit der Bibel anzufangen: Natürlich gibt es da antisemitische Tendenzen, auch und gerade im Neuen Testament, das ja in einer Atmosphäre entstanden ist, in der sich das Christentum gewissermaßen als Konkurrenzreligion zum Judentum herauskristallisiert hat, und nicht wenige Exegeten sagen z.B. über das Lukasevangelium, es sei hochgradig antisemitisch. Und natürlich bedient auch Karl May teilweise übelste Klischees, wobei die Indianer (ein Wort, das im Deutschen, soweit ich sehe, bei weitem nicht so negativ besetzt ist wie das entsprechende englische Wort Indian) wohl noch am besten wegkommen. Aber beides ist keine Kinderliteratur und wird hoffentlich vorwiegend von Leuten gelesen, die fähig sind, Texte im Kontext ihrer Entstehungszeit zu lesen und zu verstehen (okay, bei der Bibel ist das vielleicht nicht immer der Fall).

Entscheidend ist aber, dass das Dammbruch-Argument (also: „Wenn man einmal anfängt, muss man ja auch konsequent weitermachen – wo soll man aufhören, wo soll das hinführen?“) kein Argument ist. Um es in eine ganz böse Analogie zu fassen: Mit demselben Argument hätte man ja nach dem Zweiten Weltkrieg auch alle Deutschen einfach erschießen können, denn Entnazifizierung bringt ja nix, wo soll man da überhaupt anfangen, sind doch eh alles Nazis. Natürlich gibt es jede Menge Kinderliteratur, die – sei es sprachlich, sei es inhaltlich – nicht mehr zeitgemäß ist (oder es nie war). Aber das heißt ja nicht, dass man nicht trotzdem versuchen kann, einen – sicherlich langwierigen, sicherlich mühevollen – Prozess des Umdenkens anzukurbeln.

4. „Die Anderen machen es ja auch nicht“

Einer der Leserbriefe greift sogar auf ein Argument zurück, das man z.B. im Zusammenhang mit Moscheebauten in Deutschland immer mal wieder hört: „Warum sollten wir Moscheen in Deutschland zulassen? Anderswo würden sie uns doch auch nie Kirchen bauen lassen!“ Das ist etwa so wie zu sagen: „Warum lässt man bei uns Christen frei rumlaufen? Im Römischen Reich wurden sie doch auch verfolgt und umgebracht!“ In anderen Worten: Warum sollten wir unsere Normen und Werte statt am gesunden Menschenverstand an den Normen und Werten anderer Kulturen ausrichten? Damit ist eigentlich schon alles über dieses „Der lässt mich nicht in seinen Sandkasten, also lass ich ihn nicht in meinen Sandkasten“-Kindergarten-Argument gesagt, das in unserer Debatte folgendermaßen zutage tritt:

In Afrika wären wir Europäer ‚anders‘. Ob wir dort auch die Chuzpe hätten, klassische afrikanische Kinderbücher reformieren zu wollen?

Zugleich spielt hier auch wieder ganz stark die unter 2. diskutierte „Ihr-seid-eh-nur-Gäste-hier“-Rhetorik mit hinein, auf die ich, denke ich, nicht weiter eingehen muss – zumal jemand wie Mekonnen Mesghena eben kein „Gast“ in Deutschland ist, in welchem Sinne auch immer. Er wohnt und lebt in Deutschland, hat die deutsche Staatsbürgerschaft, spricht Deutsch, sodass es nur eines gibt, was ihn vom „prototypischen“ Deutschen unterscheidet: Seine Hautfarbe. Und genau darauf bezieht sich nun einmal der Begriff, um den es hier geht. Angenommen, ich als Weißer träfe in einer anderen Kultur Kinderbücher an, in denen Weiße pauschal, sagen wir, als Scheißbleichgesichter bezeichnet werden – natürlich würde ich mich auch daran stören, nicht nur weil ich selber weiß bin, sondern auch weil es trivialerweise ohnehin völlig unsinnig ist, die Identität eines Menschen oder einer Gruppe von Menschen an seiner/ihrer Hautfarbe festmachen zu wollen.

5. „Die Debatte ist kleinlich und lächerlich“

Aus dem Tonfall und dem Inhalt der bisher zitierten Leserbriefe ging teilweise schon deutlich hervor, was die Zitierten von der Debatte halten. Ganz offen wird das auch in dem Leserbrief gesagt, in dem es heißt, Herr Mesghena sei wohl noch nicht in Deutschland angekommen, denn:

Ansonsten würde er, anstatt sich in gestelzten Worten zu äußern, einmal um den Ausdruck ‚ Lächerlichkeit tötet ‚ kümmern.

(Furchtbare Grammatik und Zeichensetzung im Original.) Aber wie eingangs schon gesagt, geht es hier nicht um übertriebene political correctness. Es geht darum, Menschen und ihr Empfinden wahr und ernst zu nehmen. Es geht darum zu erkennen, dass Sprache eben auch verletzen kann und dass wir gut daran tun, unseren eigenen Sprachgebrauch auch einmal kritisch zu hinterfragen. Und wenn eine Leserbriefschreiberin behauptet, sie habe das Interview mit Herrn Mesghena in einem Integrationskurs lesen lassen, und

[k]ein einziger Teilnehmer, auch nicht der schwarze Mann (sic!!!) aus der Dominikanischen Republik (…) empfindet das Wort ‚Neger‘ als diskriminierend,

dann, mit Verlaub, glaube ich das einfach nicht – entweder der Kurs ist nicht im Geringsten repräsentativ, vielleicht weil die Teilnehmer/innen noch nicht genug Erfahrung mit der deutschen Sprache haben, um sich der negativen Konnotation, die der Begriff mit sich bringt, bewusst zu sein, oder sie haben ihrer Lehrerin nach dem Mund geredet, oder, oder, oder.

Noch einmal: Den BefürworterInnen gerechter Sprache geht es nicht darum, Salzstreuerinnen und Salzstreuer zu etablieren oder Wasserfälle über die von Allan/Burridge (2006) so genannte „Euphemismenmühle“ zu gießen, die dazu führt, dass manche Begriffe im Laufe der Sprachgeschichte negativ „aufgeladen“ und durch andere abgelöst werden (z.B. Weib > Frau [> Dame]). Vielmehr geht es darum, die Unantastbarkeit der Menschenwürde nicht nur als Lippenbekenntnis anzuerkennen, sondern sie auch auf sprachlicher Ebene umzusetzen. Dieser Würde gilt es Rechnung zu tragen, indem man eben auch auf sprachlicher Ebene niemanden ausschließt (auch wenn das manchmal zu Konstruktionen führt, die manchen etwas „verrenkt“ erscheinen) und vor allem auch Begriffe vermeidet, die die Betroffenen als diskriminierend empfinden.

Literatur

Keith Allan; Kate Burridge (2006): Forbidden Words. Taboo and the Censoring of Language. Cambridge.

Duden (2007): Richtiges und gutes Deutsch. Wörterbuch der sprachlichen Zweifelsfälle. 6. Aufl. Mannheim.

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